Update (November 2009)
Diesmal habe ich 21 Kinder zählen können, die Mehrheit davon unter 10 Jahren. Neun der größeren Knaben sind von ihren Angehörigen abgeholt worden, damit sie für die Familie Geld verdienen können. Einen dieser Jungen habe ich zufällig auf der Straße getroffen. Ich habe diesen Jungen als schlechtgelaunt und bisweilen aggressiv in Erinnerung. Doch bei unserer Begegnung wirkte er auf mich sehr entspannt, gar fröhlich. Er arbeite bei seinem Onkel in einer Autowerkstatt und verdiene täglich 1000 Tuman, sagte er mir. Ein Euro entspricht etwa 1300 Tuman, das sind also unter ein Euro pro Tag. Und dennoch war er stolz, eigenes Geld zu verdienen.
Auch der alte, sympathische Leiter des Waisenhauses wurde entlassen. Als Begründung sagte man mir, dass er mittlerweile opiumsüchtig geworden wäre und daher den Kindern nicht länger zumutbar gewesen sei. Der neue Leiter ist ein etwa 50 jähriger Mann - ein ehemaliger Regierungsangestellter. Er nahm seine Arbeit erst zwei Wochen vor meiner Ankunft auf. Er wirkte auf mich sehr zurückhaltend und distanziert gegenüber den Kindern. Wahrscheinlich kennt er sich in der Tagesstruktur des Hauses noch nicht aus. Ich hoffe, dass er wenigstens gegenüber den Kindern etwas offener wird. Leiter eines Waisenhauses zu sein, ist wegen des kargen Gehaltes eben nicht für jeden Mann attraktiv genug.
Ich habe den Kindern, wie üblich, Kleidung und Schuhe mitgebracht, teilweise aus Deutschland und teils vor Ort eingekauft. Bei den größeren Jungen stand Fußballdress auf ihrer Wunschliste. Auch ein festliches Mahl und das Schmücken der Räume gehörten zum festen Bestandteil meines Besuches.
Diese Kinder kennen weder das Meer mit seinen Tieren noch den Wald und seine Bewohner. Deshalb habe ich über das Internet eine Reihe Naturfilme ersteigert und einen DVD-Player aus Deutschland mitgebracht, damit die Kinder die Welt außerhalb von Nimroz wenigstens über die Filme kennen lernen. Dieses Geschenk kam bei den Kindern besonders gut an.