Stimmen und Gesichter aus den Wahllokalen in Nimroz
(Präsidentschaftswahlen, 9.Oktober 2004)
Eine Gruppe alter Frauen:
  • Wen haben Sie gewählt?
  • Karzai .
  • Warum Karzai?
  • Weil alle ihn wählen.
  • Haben Sie die Fotos anderer Kandidaten erkannt?
  • Ich habe vor einem Foto ein Zeichen gesetzt, es wird schon Karzai gewesen sein.
Ein junges Mädchen:
  • Ich komme gerade aus dem Krankenhaus, habe für diesen Tag vom Arzt für ein paar Stunden Urlaub genommen, damit ich wählen kann. Nun gehe zurück ins Krankenhaus.
Eine alte Frau, die so klein und krumm ist, dass ihr Kopf beinah den Boden berührt:
  • Ich habe heute morgen meine Identitätskarte meiner Tochter mitgegeben, damit sie für mich wählen geht, doch die Wahlhelferinnen haben es ihr nicht erlaubt. Sie meinten, ich soll persönlich erscheinen. Aber ich reiche ja nicht an die Tischplatte, den Zeichen auf dem Wahlzettel muss mir dennoch meine Tochter setzen.
Eine Gruppe junger Frauen:
  • Wen habt ihr gewählt?
  • Wir wissen es nicht.
  • Was ? Wieso wisst ihr es nicht?
  • Wir können ja nicht lesen und schreiben.
  • Aber Fotos der Kandidaten könnt ihr doch erkennen!

Sie antworten nicht. Ein Mann mischt sich ein und stellt meine Frage auf belutschisch (die Sprache der Menschen in Nimroz) . Die Frauen lachen herzlich.

  • Natürlich wissen wir, wen wir gewählt haben. Aber den würden wir doch nicht verraten.

Sie haben mir einen Bären aufgebunden.

Eine sehr alte Frau mit zittrigen Händen und zittriger Stimme:
  • Wo ist Herr Karzai? Ich will ihn wählen.

Die Wahlhelferinnen haben es schwer, ihr klar zu machen, dass Herr Karzai nicht persönlich hier ist, sondern nur sein Foto.


Wo ist Herr Karzai?

Ich will ihn wählen.
Eine andere sehr alte Frau mit sehr dicken Brillengläser und krümmen Rücken tritt ganz verzweifelt hinter dem Vorhang der Wahlkabine hervor :
  • Ich kann Herr Karzai nicht zeichnen. Bitte hilft mir, wenigstens seine Mütze zu malen.

Die Wahlhelferinnen erklären ihr, dass sie nicht den Karzai zeichnen, sondern einen Zeichen vor seinem Foto malen soll.


Bitte hilft mir, wenigstens seine
Mütze zu malen.
Eine Gruppe junger Frauen, die sehr festlich gekleidet sind. Eine ist sogar auffällig geschminkt. Ich Frage:
  • Weshalb diese festliche Bekleidung ?

Eine Zeigt auf die geschminkte Frau:

  • Sie hat gestern Abend geheiratet. Wir sind ihre Brautjungfern.

Die Braut

...und ihre Brautjungfern
Ein Mann ist dem Weinen nah. Er ist extra aus Maschhad (Iran) nach Sarandj gekommen, um wählen zu können. Doch er kam eine halbe Stunde zu spät. Nach 16 Uhr durfte er nicht wählen.
In der Stadt Herat (liegt im Westen Afghanistans) haben die Menschen die Wahlzeremonie zu einem Fest umgestaltet. Es wurde auf den Straßen musiziert und getanzt.
Ein junger Mann: Wir sind sehr stolz, dass wir zum ersten Mal in der Geschichte wählen dürfen. Nun fühlen wir uns endlich der Weltgemeinschaft zugehörig.
Der Zwischenfall im Wahllokal

Gegen 13,30 Uhr stürmen zwei junge, bärtige Männer in den Wahllokal der Mädchenoberschule von Sarandj und schreien wild durch die Flur:

  • Stooop, stoppt die Wahlen. Es wird nicht mehr gewählt. Wir haben aus Kabul einen Anruf bekommen. Die Wahlen sind nicht korrekt verlaufen. Gebt die Wahlkisten heraus. Wir müssen sie einsammeln.

Ihnen stellen sich mehrere Frauen entgegen.

  • Stooop! Bleibt sofort hier stehen!

Vor jedem Raum stellt sich jeweils eine Wahlhelferin mit ausgebreiteten Armen und versperren so den Eingang. Die Männer schreien eine hochschwangere Frau an, die sich ihnen in den Weg gestellt hat.

  • Heee, du, geh mir aus dem Weg!

Die Frau zeigt mit ausgestreckten Arm und Zeigefinger auf den Mann, so dicht, dass ihre Finger beinah seine Brust berührt, und schreit ihn ihrerseits an:

  • Was heißt hier, heee, sprich gefälligst wie ein Mensch, hier bist du nicht unter Eseln, die du mit heee rufen kannst, sondern unter Menschen. Außerdem geht sofort hier raus, sonst rufen wir die Soldaten, damit sie euch von hier entfernen.

Lautes Geschrei der Frauen durcheinander:

  • Die Wahlen werden fortgesetzt.
  • Niemand bekommt auch nur eine Kiste hier raus!
  • Weg mit euch, wo sind die Soldaten?

Die Männer verlassen die Schule freiwillig, ohne Wahlkisten. Später stellte sich heraus, dass die Farbe einiger Filzstifte von den Fingernägeln der Wähler tatsächlich abzuwischen war. Die Stifte wurden aussortiert und die Wahlen gingen weiter.


Die scharf bewachten Wahlurnen
Mit 56% der Wählerstimmen hat Karzai die Präsidentschaftswahlen gewonnen.

Darf ich dir helfen ?

Schön den Fingernagel einfärben...

Wahllhelfer...

... und Wahlhelferin

Wo bleiben die Wähler?

Gesichter aus den Wahlokalen

Gesichter aus den Wahlokalen

Gesichter aus den Wahlokalen

Gesichter aus den Wahlokalen

Gesichter aus den Wahlokalen

Gesichter aus den Wahlokalen

Gesichter aus den Wahlokalen

Gesichter aus den Wahlokalen

Gesichter aus den Wahlokalen

Gesichter aus den Wahlokalen

Gesichter aus den Wahlokalen

Gesichter aus den Wahlokalen

Gesichter aus den Wahlokalen