Jahresbericht 2011

Liebe FreundInnen,
Liebe SpenderInnen,

das Jahr 2011 war für unseren kleinen Verein in mehrerer Hinsicht ein erfolgreiches Jahr.

Wir haben unserer Ansicht nach in der afghanischen Provinz Nimroz gute Projekte realisieren können und eben solche für die Zukunft planen können. Außerdem konnte ich mich aufgrund meiner Pensionierung diesmal einen ganzen Monat (März) in Nimroz aufhalten und mich in Ruhe um unsere Projekte kümmern.

Nun der Reihe nach:

Kleinkredite

Die 13 Kleinkredite, die wir 2007 bzw. 2009 an Frauen vergeben hatten, hatten eine sehr gute Wirkung. Bis auf eine haben alle weiblichen Haushaltsvorstände mit dem geliehenen Geld hervorragend gewirtschaftet.

Hier einige Beispiele:

  • Eine Frau, die sich 2007 mit dem  Kredit zwei Schafe angeschafft hatte, verfügt nun über eine kleine Herde von 11 Schafen und kann sich sogar einen Hirten leisten.
  • Zwei Familien, die ihr Geld zusammengetan und sich eine Kuh gekauft haben, besitzen derzeit (obwohl zwei ihrer Kühe letztes Jahr gestorben sind) fünf Kühe. Drei davon waren bei meinem Besuch im März dieses Jahres trächtig.
  • Bei einer anderen Frau, die den Kredit für den Kauf zweier Ziegen aufgenommen hatte, standen mittlerweile fünf Ziegen im Hof. Drei davon waren trächtig, obwohl auch sie letztes Jahr zwei Ziegen verloren hat.

Solche Erfolgsstorys könnten über alle 12 Frauen berichtet werden.

Alle oben aufgeführten Beispiele stammen aus einem Dorf, in dem wir 2007 an 7 Familien Kleinkredite vergeben haben. Und weil sie so fleißig waren, fanden wir es ratsam, ihnen das geliehene Geld noch einmal zur Verfügung zu stellen. Das heißt, wir haben die Laufzeit der Kredite auf weitere zwei Jahre verlängert.

Fünf Frauen waren sogar in der Lage, die erste Rate ihres Kredites an uns zurückzuzahlen.

Nur eine Frau hatte das Pech, ihre Ziege gleich nach der Geburt samt ihrer zwei Kitze zu verlieren. Da sie nicht in der Lage war, den Kredit zurückzuzahlen, haben wir ihn ihr erlassen, zudem bekam sie von uns neues Geld geliehen. Davon kaufte sie sich ein Schaf und mehrere Hühner. Sie hat gelernt, das Risiko zu verteilen. Außerdem hat sie ihren opiumsüchtigen Ehemann endlich vor der Tür gesetzt.

Dieses Jahr haben wir an 22 Frauen weitere Kredite für den Kauf von Kleintieren vergeben. Die Laufzeit soll jeweils zwei Jahre betragen.

Schule der Freiheit

Dieses Projekt ist mittlerweile von unseren Hilfen fast unabhängig. Bis auf 10 große Land- und Weltkarten sowie 9 Biologie-Karten zu Unterrichtszwecken haben wir keine weitere Unterstützung geben müssen.

Ein Nebeneffekt unserer Projekte ist, dass auch andere Organisationen sie entdecken. Letztes Jahr hat UNICEF Spielgeräte im Schulhof installieren lassen. Dieses Jahr hat eine andere Organisation vier Computer der Schule geschenkt.

Wie ich Ihnen letztes Jahr angekündigt habe, wird die erste Generation der Schülerinnen das Abitur Mitte Juni 2012 geschafft haben. Derzeit besuchen 17 Mädchen die elfte Klasse.

Zum Abitur habe ich ihnen ein großes Fest versprochen und ihre Wünsche für dieses Fest bereits bei meinem Besuch mit ihnen besprochen.

Falls jemand von Ihnen, liebe SpenderInnen, dazu Lust hat, an den Erfolg Ihrer Projekte persönlich teilzunehmen, sind Sie hiermit herzlich eingeladen. Für Ihre Sicherheit, Verköstigung und Übernachtung wird auf bescheidene Art gesorgt sein. Nur die Reisekosten sollten Sie selbst übernehmen und sich um ein Transitvisum durch den Iran bemühen. Und Sie sollten wissen, dass die Temperatur Mitte Juni etwas über 40 Grad Celsius betragen wird und die Sandstürme uns das Leben etwas erschweren könnten. 

Schule in „Vier Türmchen“

Derzeit besuchen insgesamt 106 Kinder diese Schule in Tscharbordschak („Vier Türmchen“). Davon sind 52 Mädchen und 54 Jungen. Wir haben ihnen auch dieses Jahr eine Menge Schulhefte und andere Schreibmaterialien geschenkt.

Die Unterrichtsräume befinden sich noch im Rohzustand, das heißt, ohne Putz und ohne Farbe. Wir konnten uns es diesmal leisten, diese Arbeiten in Auftrag zu geben.

Die Schule sollte nächstes Jahr mit Trinkwasser versorgt werden (mehr dazu ganz unten).

Die Schule bekam leider dieses Jahr keine neuen Schüler. Der Grund dafür ist die enorme Armut und Erwerbslosigkeit der Bewohner dieses Gebietes. Die Menschen müssen immer wieder auf die Arbeitssuche in den Iran oder in die Städten ziehen. Die Dörfer sind fast menschenleer.

Das Waisenhaus

Etwa 10 größere Kinder haben das Haus inzwischen verlassen. Die meisten von ihnen werden von ihren Verwandten abgeholt, oft auch aus der Schule genommen und als billige Arbeitskraft ausgebeutet. Dieses Problem wird weiterhin bestehen, solange die Zentralregierung Kinderarbeit nicht verbietet. Dafür sind aber viele kleine Kinder in dem Haus aufgenommen wurden.

Die Wünsche der Kinder lauteten, wie immer, Fußballkleidung und Fußballschuhe. Die ersteren wurden bereits in Deutschland eingekauft und die Schuhe samt Socken in Nimroz.

Unser traditionelles Festessen in den geschmückten Räumen fand auch dieses Jahr statt.

Das Ausbreiten von Kies im Hof wurde in Auftrag gegeben, damit die Kinder Fußball spielen können, ohne viel Staub aufzuwirbeln.

Frauenbäckereien

Unsere erste Bäckerin hat es zu unserer Freude soweit gebracht, dass sie die erste Anzahlung auf ein kleines Grundstück geleistet hat. Ihr Wunsch nach einem eigenen Haus dient ihr als Motivation, weiter zu arbeiten und Geld zu sparen.

Zur Erinnerung: die Gesamtkosten für den Bau dieser Bäckerei im Jahre 2002 betrog etwas über 2000€. Mit dieser Investition haben Sie durch Ihre Spende einer Frau samt ihren sechs Kindern folgendes ermöglicht:

  • die Sicherstellung ihres Lebensunterhaltes und die Unabhängigkeit der Bäckerin von ihrem Vater und ihren Brüdern,
  • den Schulbesuch ihrer Kinder,
  • den Kauf von Nutztieren (Ziegen, Schafe und Hühner),
  • den Kauf der Einrichtung ihrer Wohnräume, sogar Fernseher und Kühlschrank,
  • das Mieten eines Hauses für ihre Familie, getrennt vor ihren Brüdern und Vater,
  • und, als Krönung, die Anzahlung der Hälfte des Kaufpreises für ein Grundstück.

Ich finde, wir alle können auf diesen Erfolg stolz sein.

Unsere zweite Bäckerin hat ihre Arbeit aufgegeben, weil ihrer Meinung nach ihr alter Ehemann nun gesund genug sei, selbst zu arbeiten und seine Familie zu ernähren.

Unsere ehrenamtlichen Mitarbeiter sind bereits auf die Suche nach einer neuen Bäckerin.

Unser zukünftigen Projekte

Wir haben vor, die nächsten Jahre ein Dorf mit dem Namen Padagi, im Distrikt Tscharbordschak (Vier Türmchen) im Süden von Nimroz gelegen, mit Trinkwasser zu versorgen.

Da sich unsere zweite Schule ebenfalls in diesem Distrikt befindet, wird auch die Schule mit Trinkwasser versorgt werden.

Wir wünschen uns natürlich, dass wir das Projekt Kleinkredite an Frauen weiterhin mit Ihrer Unterstützung fortsetzen können. Denn wir haben die Erfahrung gemacht, dass dies der beste Weg ist, um den Frauen Selbstbestimmung und ein unabhängiges Leben zu ermöglichen. Im Englischen gibt es dafür das schöne Wort „Empowerment“, die deutsche Übersetzung „Selbstermächtigung“ gibt diesen Prozess nur unzulänglich wieder.

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen alles Gute und ein wunderschönes und besinnliches Weihnachtsfest.

Ihre Mariam Notten  und  Dr. Ute Scheub