Liebe FreundInnen und liebe SpenderInnen,
In Ihrem Auftrag als SpenderInnen haben wir bereits seit Ende 2009 unsere Projekte auf Kabul ausgeweitet. Unser Projektpartner in Kabul ist ein Exilafghane, den ich persönlich aus Deutschland kannte. Er hat selbst die Organisation Mutter-Kind und Umwelt in Kabul gegründet, und seit fast vier Jahren hilft er Straßenkindern und Witwen in Kabul, ihren Lebensunterhalt zu verdienen.
Seine Unterstützung besteht darin, dass er anfangs 20 und mittlerweile 45 Frauen jeweils eine Nähmaschine gekauft hat, ihnen Leinenstoff zur Verfügung stellt, aus dem die Frauen Einkaufstaschen nähen. Er verteilt die Taschen an Straßenkinder, die sie in den Bazaren von Kabul verkaufen, und der Erlös wird zwischen den Frauen und Kindern geteilt. Die Bedingung für die Straßenkinder besteht darin, dass sie nicht mehr betteln dürfen und vormittags eine Schule besuchen müssen. Als Nebeneffekt möchte er erreichen, dass der Gebrauch von Plastiktüten in der Stadt reduziert wird.
Anfangs unterstützten wir die Arbeit dieser Organisation mit Geldspenden für den Kauf von Leinenstoffen.
Im Laufe des Jahres 2010 haben wir mit Hilfe dieses Mannes unsere eigenen Projekte in Kabul gegründet:
Frauenbäckereien
In einem der Dörfer um Kabul bekamen insgesamt 20 Frauen die Möglichkeit, in ihren Höfen Backöfen zu installieren, damit sie für die Nachbarschaft gegen Bezahlung Brote backen und dadurch ihr Einkommen etwas aufbessern können.
Außerdem bekamen die Frauen als Starthilfe alle Utensilien, die für eine Bäckerei notwendig sind sowie zwei Säcke Mehl und etwas Brennmaterial.
Hühnerhaltung
In demselben Dorf halfen wir 20 Frauen in ihren Höfen, jeweils 20 Hühner zu halten und durch den Verkauf der Hühnereier etwas zu ihrem Lebensunterhalt beizutragen. Wir sorgten für den Bau des Hühnerstalls sowie für die Impfung der Tiere gegen Hühnerkrankheiten.
Im Zuge dieser Aktion meldeten sich 25 Schulkinder bei unserem Projektpartner mit der Bitte, ihnen ebenso ein paar Hühner zu kaufen. Die Kinder meinten, durch den Verkauf von einem Hühnerei würden sie sich ein Schreibheft kaufen können. So bekamen auch diese 25 Kinder jeweils 5 Hühner, die sie ihr Eigen nennen können, damit sie sich durch den Verkauf der Eier Schulmaterialien besorgen können.
Auch diese Hühner wurden gegen Hühnerseuchen geimpft.
Die Fotos beider Projekte können Sie sich in www.afghanistan-nimroz.de anschauen.
Reise nach Kabul
Im September und Oktober dieses Jahres bin ich für ca. 6 Wochen nach Kabul gereist, um u.a. unsere Projekte zu besichtigen. Wie oben erwähnt, unterhalten wir insgesamt 65 kleine Projekte in einem Dorf um Kabul.
Bei meinem Besuch in Kabul habe ich nach dem Zufallprinzip mehrere dieser Häuser aufgesucht, ohne mich als die „reiche Tante aus Deutschland“ zu erkennen zu geben. Dabei habe ich mich mit den Frauen unterhalten und in ihren Häusern die Hühner und Backöfen besichtigen können. Alle diese Frauen waren höchst dankbar für diese Unterstützung. Eine der Frauen, die keinen eigenen Hof besaß, mietete sogar bei der Nachbarin ein Platz für ihren Backofen. Sie erzählte, trotz der Miete würde es sich für sie rentieren, die Bäckerei zu betreiben.
Wir haben davon abgesehen, neue Projekte in Kabul zu gründen. Denn um diese regelmäßig kontrollieren zu können, müsste ich ebenso regelmäßig nach Kabul reisen. Das wäre mir aus Kostengründen nicht möglich. Denn wir übernehmen weiterhin die Reisekosten als Eigenbeteiligung. Die Spenden sollen zu 100% für unsere Projekte verwendet werden. Hinzu kommt, dass zwei Reisen im Jahr (Kabul und Nimroz) höchst strapaziös sind und ich sie in meinem Alter nicht ohne gesundheitliche Probleme bewältigen könnte.
Nimroz
Dieses Jahr bin ich nicht nach Nimroz gefahren, da ich die Reise nach Kabul antreten musste.
Ursprünglich plante ich, von Kabul aus nach Nimroz zu reisen. Leider ist es unmöglich, in Kabul einen sichereren Flug nach Nimroz zu buchen. Die Zwischenlandung in der Provinz Herat ist meistens auch die Endstation. Oft wird behauptet, das Wetter in Nimroz sei für eine Landung nicht geeignet. In Wirklichkeit aber lohnt es sich wegen zuwenig Passagiere für die Fluggesellschaft nicht, weiter nach Nimroz zu fliegen. Somit besteht die Gefahr, als Passagier in Herat zu stranden.
Ich habe aber regen telefonischen Kontakt zu unseren Partner in Nimroz. Laut der Auskunft unserer Partner bestehen alle unsere Projekte in Nimroz weiterhin. Aber die Lage in Nimroz ist viel unsicherer und gespannter als vor einem Jahr. Die Taliban haben sich in Norden der Provinz eingenistet und verüben auch in der Hauptstadt Sarandj Anschläge. Zum Glück wurden bislang keine unsere Projekte Ziel der Anschläge.
Voraussichtlich im Frühjahr des kommenden Jahres werde ich für längere Zeit nach Nimroz reisen und mich nach neuen Projekten umschauen.
Liebe FreundInnen, das waren die wichtigsten Ereignisse dieses Jahres, was die von Ihnen finanzierten Projekte in Afghanistan angeht. Diesen Bericht werde ich Ihnen erst nach den Weihnachtsferien zukommen lassen, denn ich weiß, dass Sie in dieser Jahreszeit eine Menge Bittbriefe aus verschiedenen Organisationen erhalten. Da es sich aber hierbei um Ihr persönliches Engagement und Ihre persönlichen Projekte handelt, möchte ich sicher gehen, dass dieser Bericht nicht in den Papierkorb landet.
Wir hoffen, Sie hatte erholsame und friedliche Feiertage, und bedanken uns herzlich für Ihre Unterstützung.
Ihre Mariam Notten und Ute Scheub