Jahresbericht 2015 des Vereins Scheherazade e.V.

Liebe SpenderInnen,

auch in diesem Jahr bin ich, Mariam Notten, wieder in die afghanische Provinz Nimroz gereist, um Ihre Spendengelder in sinnvolle Projekte anzulegen. Doch es war anders als sonst. Schwieriger. Politisch unsicherer. Gefährlicher. Auch in Nimroz konnte ich beobachten, wie unzählige Menschen sich auf den Weg machen, weil sie in ihrem konfliktgeplagten Land keine Zukunft mehr sehen. Vor allem die Bessergebildeten kehren Afghanistan den Rücken.

Die Sicherheitslage in Nimroz

Während meines Besuches vom 1. Oktober bis 10. November in Nimroz hat die Bevölkerung jeden Tag mit Bange die Übernahme ihrer Provinz durch die Taliban erwartet. Das Regierungsviertel, in dem ich gewohnt habe, glich einer Militärfestung. Allein vor dem Haus des neuen Gouverneurs, in dem ich wohnte, standen zehn Panzerkanonen. Die Kanonen um das Viertel habe ich nicht gezählt. Überall gingen Soldaten in Stellung. Nachts herrschte eine freiwillige Ausgangssperre. In einer Nacht ereignete sich ein Bombenanschlag im Bazaar, bei dem ein Mann getötet wurde – es handelte sich offenbar um eine Privatfehde.

Täglich verließen hunderte von Pickups voll mit jungen Männern das Land Richtung Iran und von dort aus nach Europa – die meisten nicht aus Nimroz, sondern aus anderen Provinzen, in denen die Unsicherheitslage noch größer ist. In Nimroz sind die Grundstückpreise enorm gesunken, die Geschäfte laufen kaum; niemand möchte Geld investieren.

Obwohl überall Angst vor Überfällen und Entführungen durch die Taliban oder anderen Banden herrschte, gingen die Menschen ihren täglichen Geschäften nach. Ich auch! Der Bazaar war voller Frauen, Kinder und Männer.

Das Waisenhaus:

Wir haben die vorhandenen Räume (sechs Schlafzimmer, drei Duschen, drei Toiletten und das Dach) von Grund auf instandgesetzt und renoviert. Das undichte Dach wurde vollständig abgedeckt und mit wasserdichten und hitzeabweisenden Materialien neu gedeckt. Außerdem haben wir die Abflussröhren in den Duschen und Toiletten erneuern, die Wände von außen und innen ausbessern, neu verputzen und in der Farbe lindgrün streichen lassen.

Missstände ohne Ende

Die einstmals vom Verein L´Afghan geplanten und konzipierten, aber nicht fertiggestellten Gebäudeteile (ein Konferenzraum, ein Computerraum, zwei weitere Räume und drei Läden) haben auch wir jetzt nicht fertig bauen lassen. Die Gründe dafür sind vielschichtig.

Erstens: Die in Nimroz für das Waisenhaus zuständige Direktion für Soziales hat an das zuständige Ministerium in Kabul bereits einen Antrag für den Ausbau des Hauses gestellt. Er wurde auch genehmigt. Hierfür bekommt sie demnächst Geld überwiesen.

Zweitens: Korruption. Die Anzahl der Kinder, die im Waisenhaus wohnen, wurde von der Direktion für Soziales und der Waisenhausleitung gemeinsam nach oben manipuliert. Je höher die Kinderzahl, desto mehr Geld kann aus Kabul bezogen werden. Die Angestellten können es dann unter sich aufteilen. Bei mindestens zehn Kindern handelt es sich um Verwandte von Hausangestellten, die nur manchmal im Waisenhaus sind – wohl vor allem dann, wenn Gäste kommen, denen etwas vorgegaukelt werden soll.

Es ist fast unmöglich, herauszufinden, wieviel Kinder in Wirklichkeit in diesem Haus wohnen. Ihre Anzahl variiert derzeit zwischen 18 und 28.

Wenn ich tagsüber das Haus besucht habe, wurde behauptet, die meisten Kinder seien zur Schule gegangen, entweder in der Vormittags- oder in der Nachmittagsschicht. Wenn ich abends oder an Feiertagen dort war, wurde behauptet, dass einige Kinder beim Verwandten zu Besuch seien.

Ob in den vergangenen 14 Jahren ebenfalls die Anzahl der Kinder manipuliert wurde, wissen wir nicht, aber es ist tendenziell anzunehmen. Der Verdacht hat sich aber erst dieses Jahr ergeben, weil mir ein Außenstehender einen Tipp gab.

In dieser Situation einer möglichen schwerwiegenden Korruption haben wir uns klar dagegen entschieden, die noch unfertigen Räume des Waisenhauses für viel Geld fertigzustellen. Denn damit hätte die Direktion für Soziales quasi doppelt kassiert: einmal von uns, und einmal vom Ministerium in Kabul. Stattdessen haben wir mit den Spendengeldern Direkthilfe an die Kinder geleistet.

Einen Tag lang gefeiert

Wie in jedem Jahr habe ich auch 2015 ein Fest für die Kinder ausgerichtet, ihre Zimmer geschmückt, Geschenke verteilt, Tüten voller Konfettis ausgestreut und gemeinsam gut gegessen.

Für 18 Kinder habe ich die Zimmer neu gestrichen und eingerichtet, ihnen neue Matratzen, Wolldecken, Bettbezüge und Blechkoffer gekauft.

Zwei älteren Kindern habe ich ein Fahrrad gekauft. Weil sie gut in der Schule sind, gab ihnen eine Privatschule eine Art Stipendium, sie dürfen die Schule ohne Gebühren besuchen. Das Fahrrad verkürzt ihnen den langen Schulweg. Ein Kind benutzt es für die Vormittagsschicht in der Schule, eines für die Nachmittagsschicht.

Für 28 Kinder habe ich Schulrucksäcke voll mit Schreibheften und Stiften sowie Schuluniformen, warme Pullover und Schuhe besorgt. Das war, bevor ich von den möglichen Manipulationen erfuhr. Einige Kinder gehörten also wohl eher nicht zum Waisenhaus. Aber Kinder freuen sich immer über Geschenke, ob Waisen oder Nichtwaisen.

Den an diesen Missständen beteiligten Direktor für Soziales habe ich im Beisein seines Vorgesetzten zur Rede gestellt. Dem neuen Provinzgouverneur von Nimroz berichtete ich in zwei persönlichen Gesprächen über die Missstände. Zusätzlich habe ich der zuständigen Ministerin in Kabul einen ausführlichen Bericht zukommen lassen. Was die Behörden damit machen, müssen wir abwarten.

„Schule der Freiheit“

Derzeit besuchen rund 2.000 Mädchen unsere „Schule der Freiheit“. Dieses Jahr werden zwei Abiturklassen die Schule verlassen, in der Vergangenheit war es nur eine Klasse.

Das Kabuler Bildungsministerium hat der Schule 40 PCs zukommen lassen, die sie von einer NGO bekam. Der Umgang mit Computern wird demnächst Teil des Lehrplans. Das Ministerium hat die Schule jedoch wissen lassen, dass sie dafür einen großen Raum vorweisen muss, sonst würden die Geräte an andere Schulen verteilt. Deshalb haben wir uns entschieden, einen Computerraum in der Größe von 8×5 Metern bauen zu lassen. Die Bauarbeiten liefen bereits, als ich Nimroz verlassen habe. Die Fotos vom fertigen Raum werden uns zugeschickt.

Die größte Sorge der Abiturientinnen bezieht sich auf die schlechte Sicherheitslage und darauf, dass sie nach dem Abitur sehr gerne studieren würden, dies aber in Nimroz nicht möglich ist, weil es dort keine staatliche Universität gibt.

Eine Privat-Fakultät für das Fach Jura existiert dort zwar, aber nicht jeder und jede möchte Jura studieren und nicht alle sind in der Lage, Studiengebühren zu zahlen. Einige Abiturientinnen haben das Glück, Verwandte in Kabul oder in Herat zu haben, bei denen sie wohnen und studieren können.

Schule in Tschar Burdschak („Vier Türmchen“)

Derzeit besuchen 180 Kinder unsere Schule: 76 Mädchen und 104 Jungen. Vier Lehrkräfte unterrichten sechs Klassen in zwei Schichten. Zwei davon sind junge Männer, die die 12. Klasse abgeschlossen haben, einer ist Religionslehrer, die vierte ist eine Frau, die stundenweise Drittklässler unterrichtet.

Obwohl es sich um eine Grundschule handelt, die nur bis zur 6. Klasse geht, hat die Behörde letztes Jahr dort auch zwei weiterführende 7. Klassen für Mädchen eingerichtet. Für weiterführende Klassen fehlen jedoch qualifizierte Lehrkräfte, die bereit wären, für das karge Lehrergehalt im wahrsten Sinne des Wortes in die Wüste zu gehen.

Die Jungen gehen nach der sechsten Klasse auf eine seit langem existierende Mittelschule im äußersten Süden von Tschar Burdschak („Vier Türmchen“). Sie bewältigen den weiten Weg auf den Rücken von Eseln, während Mädchen das nicht erlaubt ist.

Auch wenn manche Mädchen aus dieser Schule als Minderjährige zwangsweise an ältere Männer verheiratet werden – Bildung ist für sie in jedem Falle eine wichtige Ressource. Man kann ihnen die Bildungserfahrung nicht mehr wegnehmen, sie können lesen, rechnen und schreiben. Und sie werden wahrscheinlich dafür kämpfen, dass ihre Töchter einen höheren Bildungsgrad erreichen. In Afghanistan sind wir schon unzähligen solchen Müttern begegnet.

Nun zu den schöneren Themen:

Wie in jedem Jahr üblich, habe ich auch diesmal in der Provinzhauptstadt Sarandsch zwei Pickups vollgeladen mit Büchern, Rucksäcken, Heften, Stiften, Fußbällen, Volleybällen und Ballnetzen und sie nach „Vier Türmchen“ transportieren lassen. Begleitsoldaten und Männer aus dem Dorf haben die Geschenke an die Kinder verteilt. Es ist ein Vergnügen zu erleben, wie sie sich im Flur anstellen, um ihre Geschenke in Empfang zu nehmen.

Den drei Lehrern und dem Schulportier habe ich Stoff für Kleidung besorgt und sowie warme Winterjacken. Weil ich vor der Reise nicht wusste, dass dort auch eine Frau unterrichtet, bekam sie ebenfalls Männerkleidung geschenkt. Sie wird sie für ihren Ehemann gebrauchen können.

Neue Projekte:

Neben dem Aufbau des Computerraumes in der „Schule der Freiheit“ haben wir in diesem Jahr noch weitere neue Projekte gegründet:

Wasserbrunnen

Vielleicht können sich einige unserer SpenderInnen noch daran erinnern, dass wir mit ihrer Hilfe die Schule und das Dorf mit Wasser aus dem Fluss Helmand versorgt haben. Leider führt er ausgerechnet im Sommer kein Wasser.

Die DorfbewohnerInnen wünschten sich einen Brunnen in der Nähe der Schule, damit die SchülerInnen im Sommer dort trinken können. Da in der Schule Leitungen bereits vorhanden sind, haben wir beschlossen, dort einen Brunnen aufzubauen. Die Kosten für Motor und Brennstoff der Wasserpumpe übernimmt der Distriktvorsteher von „Vier Türmchen“. Außerdem haben die DorfbewohnerInnen schriftlich versichert, dass sie für den Erhalt des Brunnens, des Motors und der Wasserleitungen Sorge tragen werden.

Schülerheim in Sarandsch

Wie oben erwähnt, existiert in „Vier Türmchen“ seit langer Zeit eine Mittelschule. Dreizehn Schüler aus dieser Schule haben es geschafft, nach Sarandsch zu kommen, der Hauptstadt von Nimroz, um dort ihr Abitur zu machen. Sie besuchen eine Fachschule für Landwirtschaft, die eine indische NGO aufgebaut hat. Zu dieser Schule gehören einige Wohnräume für Schüler, die in Sarandsch keine Bleibe haben. Ich wurde durch ehrenamtlichen Helfer darauf aufmerksam gemacht. Bei meinem ersten Besuch in deren Behausung bot sich mir ein noch ärmlicheres und unwürdigeres Bild als das, was ich aus „Vier Türmchen“ gewohnt war.

In einem Zimmer wohnten sechs und im anderen sieben junge Menschen. Als Inventar besaßen sie lediglich Etagenbetten, eine alte Matratze mit Kopfkissen und eine alte Wolldecke. Pro Zimmer verfügten sie nur über eine einzige Tasse und ein Wasserglas. Mittag- und Abendessen bekommen sie in der Kantine, das Frühstück müssen sie sich selbst besorgen. Auf meine Frage, was sie bräuchten, antworteten mehrere gleichzeitig: „Tassen“.

Deshalb hielten wir es für ratsam, 13 jungen Bauernsöhnen aus „Vier Türmchen“ wenigstens zwei menschenwürdige Zimmer einzurichten und ihnen Schuluniformen zu besorgen. Ich kaufte ihnen zudem Tassen, Teekessel, Zahnbürsten, Unterwäsche, Schuhe, warme Jacken, Schultaschen, Schulmaterial, Artikel für Körperhygiene, einen Elektroheizkörper für den Winter, Auslegware für den Boden, Matratzen, Wolldecken, Bettbezüge sowie einen Blechkoffer samt Schloss für jeden. Wandfarbe besorgten wir gemeinsam, ihre Räume mussten sie selbst streichen.

Dies alles dauerte insgesamt drei Tage, wobei unsere ehrenamtlichen Helfer kräftig mitanpackten. Aus zurückhaltenden schüchternen Bauernsöhnen wurden binnen kurzem Oberschüler, die stolz vor der Kamera posierten.

Am Ende tranken wir zusammen Tee aus den neuen Tassen. Dabei sagte einer von ihnen, und die anderen bestätigten ihn: „Für diejenigen, die uns all das ermöglicht haben, wird Gott einen großen Platz in Paradies bereithalten“. Sie glauben nicht, wie preiswert dieser Platz war, den wir uns in Paradies gesichert haben.

Neue Hebammenpraxis

Eine unserer ehrenamtlichen HelferInnen ist Mutter von vier kleinen Söhnen. Sie arbeitete eine Zeitlang an unserer „Schule der Freiheit“ als Lehrerin; zudem hatte sie zweimal für den Posten des Provinzrates kandidiert und wurde gewählt. Parallel dazu hatte sie an der Privat- Fakultät in Sarandsch Jura studiert. Für den Abschluss fehlt ihr noch das praktische Jahr in Kabul.

Für den Fall, dass sie in den männerdominierten Gerichten keinen Fuß fassen kann, hatte sie zusätzlich eine Hebammenschule besucht und ihren Abschluss gemacht. Seit etwa einem Jahr arbeitet sie in einer privaten Geburtsklinik; ihr Ehemann ist als Krankenpfleger tätig. Den mittellosen Frauen in ihrem Dorf und Umgebung will sie ihre Dienste als Hebamme zur Verfügung stellen, was ihr als Angestellte einer Privatklinik zeitlich nicht möglich ist. Auch schon als Provinzrätin hat sie sich für die Rechte armer Frauen und Männer eingesetzt.

Sie möchte deshalb gerne eine eigene Praxis eröffnen, damit sie selbst entscheiden kann, wen sie ohne Gebühren behandeln möchte. Dies haben wir ihr mit einer größeren Geldsumme möglich gemacht.

Kleinkredite

Bis auf einige Bauern in „Vier Türmchen“ haben alle unsere KreditnehmerInnen ihre Kleinkredite zurückgezahlt. Von den dortigen 20 Bauern waren nur 8 in der Lage, ein Teil ihrer Schulden auszugleichen, der Rest nicht. Als Gründe dafür nannten sie die Wasserknappheit, die schlechte Sicherheitslage und schlechte Zukunftsaussichten. Sie besitzen selbst kein Land. Wenn Großgrundbesitzer ihre Ländereien aus oben genannten Gründen nicht bestellen wollen oder können, sind diese Männer erwerbslos.

Diejenigen, die zumindest einen Teil der Schulden zurückzahlen wollten, sind Väter von halbwüchsigen Söhnen, die nach der Schule am Straßenrand Buttermilch verkaufen oder als Lastenträger etwas Geld verdienen.

Aus Gerechtigkeitsgründen wurde entschieden, allen Kleinkreditnehmern die Schulden zu erlassen.

 Berichte einiger KreditnehmerInnen

Im Folgenden einige Kurzberichte von KleinkreditnehmerInnen der vergangenen Jahre:

Zarmina, Tochter von Ahmad Gol:
„Mit eurem Geld habe ich einen Laden geöffnet. Von dem Gewinn habe ich den Kredit zurückgezahlt. 300 Euro Gewinn ist noch übriggeblieben.“

Mahtab, Tochter von Mohammad:
„Von dem Geld habe ich drei Ziegen gekauft, die mehrere Zicklein geboren haben. Diese habe ich verkauft und den Kredit zurückgezahlt. Derzeit habe ich noch eine Ziege samt vier Zicklein.“

Nazpari, Tochter von Ghulam Hosain:
„Von dem Geld habe ich zwei Ziegen gekauft. Eine ist gestorben; die andere hat mir zwei Zicklein geboren, die ich verkauft habe, damit ich den Kredit zurückzahlen kann. Einen Gewinn hatte ich leider nicht.“

Qandigol, Tochter von Djoma Khan:
„Mit dem Geld habe ich Utensilien für einen Friseurladen gekauft. Aus dem Gewinn zahle ich den Kredit zurück. Die Dinge gehören jetzt mir.“

Bassir, Sohn von Djoma Khan:
„Mit dem Kredit habe ich eine Anlage zur Herstellung von Bauziegeln gekauft. Von dem Gewinn habe ich mir einen Wohnraum gebaut, den Kredit zahle ich zurück. Die Anlage gehört nun mir.“

Nur Ahmad, Sohn von Said Ahmad:
„Mit dem Geld habe ich mich an einer Hühnerfarm mitbeteiligt. Aus dem Gewinn zahle ich nun den Kredit zurück. Es reicht für den täglichen Lebensunterhalt meiner Familie. Mehr Gewinn hatte ich nicht.“

Mir Alam (ein Mann):
„Mit dem Kredit habe ich sechs Ziegen gekauft. Der erste Wurf waren sechs Zicklein; zwei davon sind gestorben. Die Mutterziegen wurden mit Gewinn verkauft; davon wurde der Kredit zurückgezahlt. Derzeit stehen noch vier schwangere Ziegen im Stall.“

Ghulam Ahmad (ein Mann):
„Mit dem Geld habe ich versucht, Kinderkleidung zu importieren. Wegen des schwankenden Wechselkurses zwischen US-Dollar und afghanischer Währung habe ich fast alles Geld verloren. Derzeit arbeite ich als Lehrer.“

Die Zukunft unseres Vereins

Neben der unsicheren politischen Lage in Afghanistan haben uns in diesem Jahr die Korruption, die Zustände im Waisenhaus und das Desinteresse des neuen Gouverneurs an unseren kleinen Projekten sehr entmutigt.

Der frühere nichtkorrupte Gouverneur von Nimroz wurde schon vor einiger Zeit von der Kabuler Zentralregierung abgesetzt. Er war der wichtigste Mann für unsere Projekte, unser Begleiter und Beschützer. Nur durch seine Empfehlungen an die Behörden war ich in all den Jahren in der Lage, unsere Geschäfte über die Bühne zu bringen. Inzwischen ist er ernsthaft herzkrank und hält sich wegen der nötigen Behandlung mehr in Kabul auf als in Nimroz.

In diesem Jahr habe ich die Missstände im Waisenhaus den Nimrozer und Kabuler Behörden gemeldet. Das schafft natürlich Feinde. Ohne den Schutz des alten Gouverneurs wird mein nächster Besuch nicht ohne Gefahren und Schwierigkeiten ablaufen.

Zudem haben wir von Jahr zu Jahr größere Schwierigkeiten, Ihr Spendengeld in sinnvolle Projekte anzulegen, von denen wir mit Sicherheit wissen, dass die dort Engagierten nicht korrupt sind und keine Gelder für sich privat abzweigen.

Wir bitten Sie deshalb, keine weiteren Spenden zu überweisen!!!

Was mit unserem Verein weiter geschieht, ist ungewiss. Wir überprüfen derzeit, ob wir ihn auflösen oder unter veränderten Vorzeichen weiterlaufen lassen. Diese veränderten Vorzeichen geben nicht nur die schwierigen Verhältnisse in Nimroz vor, sondern auch die afghanischen Flüchtlinge, die jetzt in Deutschland angekommen sind. Ob und in welcher Form wir sie unterstützen können, muss noch abgeklärt werden.

Das letzte Wort über das weitere Schicksal des Vereins hat laut unserer Satzung die Mitgliederversammlung. Wir werden im Frühjahr eine außerordentliche Mitgliederversammlung einberufen, die darüber befinden soll.

Liebe SpenderInnen, 

es liest sich recht nüchtern, wenn wir vom Ende unserer Arbeit für Nimroz berichten. Dabei ist in unsere gemeinsamen Projekte sehr viel Herzblut geflossen. Dank Ihrer großzügigen Spenden haben wir transparente und ehrliche Arbeit leisten können, fürchten aber, dass uns dies in Zukunft nicht mehr gelingen wird. Schon dieses Mal hat es uns enorme Anstrengung gekostet, unser Versprechen einzuhalten, Ihre Spendengelder gewissenhaft zu verwalten.

Sie haben uns 14 Jahre lang treu zur Seite gestanden, damit bedürftigen Menschen etwas zukommt.

Sie haben Tausenden von Kindern eine bessere Zukunft ermöglicht, indem sie in Ihre Schulen gehen dürfen.

Sie haben Waisenkindern ein Obdach gegeben. Sie haben sie vor Menschenhändlern und der Rauschgiftmafia bewahrt. Mit Ihren Geschenken haben Sie auf ernsten Gesichtern ein Lächeln gezaubert.

Sie haben Hunderten von Familien eine Grundlage geschaffen, ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

Sie haben 13 jungen Menschen im Schülerheim ihre Menschenwürde zurückgegeben  und vieles mehr…

Dafür danken wir Ihnen in Namen der Menschen aus Nimroz von Herzen. Wir wünschen Ihnen eine friedliche und fröhliche Weihnachtszeit. Bleiben Sie gesund.

Alle Fotos der diesjährigen Reise stehen auf unserer Website: www.afghanistan-nimroz.de

Ihre Mariam Notte und Dr. Ute Scheub