Jahresbericht 2012

Liebe FreundInnen,
liebe SpenderInnen,

vom 1. Sept. bis 8. Oktober war ich wieder in Ihrem Auftrag und im Auftrag unseres Vereins in Kabul und Nimroz, um nach Ihren / unseren alten Projekten zu schauen und evtl. neue zu gründen.

In den fünf Wochen meines Aufenthaltes zeigte das Thermometer in Nimroz zwischen 40 und 46 °C und in Kabul zwischen 30 bis 36 °C. Die Sicherheitslage in Nimroz verschlechtert sich leider merklich. Meine Freude haben mir diesmal inständig ans Herz gelegt, nicht allein durch die Straßen und in den Bazar zu gehen. Aber einen bewaffneten Begleiter oder ein Auto mit Privatfahrer wollte und konnte ich mir nicht nehmen. Und dennoch bin ich heil nach Hause gekommen.

Was wir in dieser Zeit dank Ihrer Spenden für die Menschen in Nimroz und Kabul getan haben, berichten wir Ihnen chronologisch in Folge.

Betreuung alter Projekt:

Schule der Freiheit

Derzeit werden 2700 SchülerInnen von 68 LehrerInnen unterrichtet. 2013 haben 34 Mädchen (der zweite Jahrgang) die Abiturprüfung bestanden. In dieser Schule hat eine amerikanische NGO drei weitere Klassenräume bauen lassen. Leider wird durch ständige neue Baumaßnahmen der Hof immer kleiner. Das Eingangstor musste repariert werden. Unser Verein übernahm die Kosten für die Reparatur.

Ein größerer Lageraum für Bücher und anderen Materialien wurde benötigt. Auch dafür zahlte der Verein 1/3 der Kosten. Die Direktion für Bildung und die Regierung von Nimroz übernehmen die restlichen Kosten.

Schule in „Vier Türmchen“

Derzeit besuchen 133 SchülerInnen (65 Mädchen, 68 Jungen) diese Schule. Dieses Jahr haben 18 SchülerInnen die Grundschule erfolgreich beendet. Die Jungen besuchen das Gymnasium in Sarandsch (Provinzhauptstadt), die Mädchen bleiben leider zu Hause. Der alte Mullah ist samt seiner Familie ist den Iran emigriert. Zu unserer Freude unterrichten nun zwei junge Lehrer in dieser Schule.

Wir haben allen 133 SchülerInnen Schul- und Schreibmaterialien besorgt, die Kosten für die Reparatur zerbrochener Scheiben übernommen und den Bau von zwei Eingangstoren (eines für das Schulgebäude und eines für den Eintritt in den Hof) in Auftrag gegeben. Die im letzten Jahr im Auftrag gegebene Hofmauer ist errichtet und die zweite Rate der Baukosten wurde dieses Jahr nach Übernahme der Baumaßnahmen bezahlt.

Für nächstes Jahr sollen einige Bäume in den Hof gepflanzt werden. Sollten diese die Trockenzeit überleben, werden weitere Bäume gepflanzt.

Das Waisenhaus

Derzeit wohnen 30 Jungen in dem Haus. Davon waren 22 anwesend und 8 von ihnen zu Besuch bei ihren Familien. Unser Verein hat in Ihrem Auftrag für die anwesenden 22 Jungen Schul- und Schreibmaterialien, Kleidung und Schuhe besorgt. Eine Wanduhr, ein Haarschneideapparat, zwei Fußbälle sowie eine große Tischdecke wurden benötigt und durch Vereinsmitteln gekauft. Unser traditionelles Feiern am Freitag, wenn alle Kinder schulfrei haben, fand mit guten Speisen und in geschmückten Räumen statt. Dabei wurden die Geschenke verteilt.

Zwei gute Entwicklungen: Die alten Leiter des Hauses sind entlassen wurden. Nun werden die Kinder von zwei jungen Frauen betreut.
Ein Junge hat die Schule bis zur 12. Klasse geschafft. Er wohnt seit 12 Jahren im Waisenhaus und besucht wie alle anderen Kinder die Schule nebenan. Nach dem Abitur muss er das Waisenhaus verlassen. Sein Wunsch ist, nach dem Abitur eine höhere Laufbahn in der Verwaltung anzutreten. Wir haben dafür gesorgt, dass er nach dem Abitur in dem Institut für Verwaltungswesen in Sarandsch aufgenommen wird. Er wird im Studentenheim des Instituts wohnen können.

Drei junge Geschwister (der Älteste 12 Jahre alt) sind vor sechs Monaten von der Polizei auf den Straßen von Sarandsch aufgegriffen wurden. Es stellte sich heraus, dass alle drei drogenabhängig waren. Diese Jungen wohnen nun in dem Waisenhaus, sind mit Hilfe ärztlicher Behandlung von ihrer Sucht befreit und besuchen die Schule nebenan.

Kleinkredite

Die meisten der SchuldnerInnen haben ihre fällig gewordenen Kredite zurückgezahlt. Wegen der Trockenheit im letzten Sommer und wegen einer Hühnerseuche erlitten die Bauern hohe Verluste ihrer Tiere. Daher waren 20 Bauern nicht in der Lage, die erste Rate ihrer Kredite zurückzuzahlen. Die Rückzahlung wurde auf weitere zwei Jahre verlängert.

Ich habe einige der Frauen besucht, die vor zwei Jahren von uns Kredite erhalten haben. Zwei von ihnen haben kleine Läden eröffnet, in denen sie Süßigkeiten, Getränke und andere Lebensmittel verkaufen. Für eine der Frauen arbeitet sogar ein Mann als Verkäufer.

Diejenigen Frauen, die Kleintiere gekauft hatten, haben leider durch Hühnerseuche und Trockenheit (Futtermangel) einige Verluste erlitten. Dennoch waren sie in der Lage, ihren Kredit zurückzuzahlen. Eine andere Frau berichtete mir, dass sie sich von den Erträgen ihres kleines Geschäftes im Laufe der letzten zwei Jahren einen Kühlschrank, zwei Teppiche und einen Gasherd gekauft hätte.
2013 haben wir an sieben weibliche Haushaltsvorstände jeweils 300 € als neue Kleinkredite vergeben.

Einmalige Unterstützung:

„Heimschule“

In einem Dorf in der Umgebung der Provinzhauptstadt wird von einer Frau eine Heimschule betrieben. Hier lernen ca. 150 Frauen Schreiben und Lesen. Da in der Umgebung keine staatliche Schule vorhanden ist, besuchen auch etwa 100 Kinder diese Heimschule.

Wir schenkten allen SchülerInnen Schulmaterialien, zwei Schultafeln sowie zwei Deckenventilatoren, Fußbodenbelag für zwei Räume und haben die Lehrerin mit einem kleinen Geldbetrag einmalig unterstützt.

Medica Afghanistan in Kabul

Wir haben einer Frauengruppe in Kabul mit dem Namen “Medica Afghanistan” eine einmalige Unterstützung zukommen lassen. Die Gruppe besteht aus Psychologinnen, Ärztinnen, Juristinnen und Sozialarbeiterinnen. Sie unterstützen Frauen, die von Gewalt betroffen sind oder durch den Krieg massiv traumatisiert sind. Ihre Arbeit besteht aus kostenloser psychotherapeutischer und medizinischer Behandlung sowie juristischem Beistand für die betroffenen Frauen. Sie arbeiten in den Städten Kabul, Herat und Mazar-e-scharif.

Neue Projekte:

Dieses Jahr haben wir die Kleinkredite an sieben Frauen, die einmalige Unterstützung der Heimschule und der Medica Afghanistan in Kabul als neue Projekte umgesetzt.

Wir hoffen, Sie sind mit unserer Arbeit zufrieden. Sie sollten wissen, dass Sie durch Ihre Spenden das Schicksal vieler Menschen – vor allem Frauen und Kinder – zum Positiven beeinflusst haben.

In Namen dieser Menschen danken wir Ihnen von Herzen.

 

Ihnen und Ihrer Familie wünschen wir viel Glück und gute Gesundheit!

Ihre Mariam Notten und Dr. Ute Scheub