Jahresbericht 2012

Liebe FreundInnen,
liebe SpenderInnen,

zuallererst möchte ich Ihnen von einem freudigen und wichtigen Ereignis berichten.

Sie haben durch Ihre Spenden 21 Mädchen in Nimroz ermöglicht, ihren Abiturabschluss zu erreichen!

Sie und wir haben gemeinsam geschafft, dass im Juni dieses Jahres der erste Jahrgang unserer „Schule der Freiheit“ in Nimroz das Gymnasium erfolgreich absolvieren konnte. Die „Schule der Freiheit“ wurde dank Ihrer Spenden im Jahre 2003 eröffnet, und diese SchülerInnen wurden damals in die dritte Klasse aufgenommen.

8 der 21 Mädchen möchten studieren, weil sie die Möglichkeit haben, bei Verwandten in Kabul oder Herat zu wohnen. In Nimroz gibt es keine Universität. Einige werden in Nimroz eine Ausbildung als Lehrerin antreten, die anderen werden in den Grundschulen von Nimroz als Lehrerin arbeiten.

Das Abitur und die danach folgenden Ausbildungsmöglichkeiten bedeuten für diese Mädchen viel Selbstständigkeit, finanzielle Unabhängigkeit und mit Sicherheit auch ein bisschen Gleichberechtigung in ihrem zukünftigen Ehe- und Familienleben. Sie werden ihre Kinder wahrscheinlich anders und besser erziehen als Mütter, die keine Schule besuchen konnten. Das ist nicht wenig, was Sie diesen Mädchen ermöglicht haben. Wir gratulieren Ihnen, liebe SpenderInnen!

In dem Video zur Abiturfeier http://www.afghanistan-nimroz.de/?page_id=42 tragen die Mädchen schwarze Talare und Doktor-Hüte, die normalerweise Abiturientinnen nicht tragen. Doch wir haben die Regel einfach gebrochen und ihnen aus Deutschland diese Kleidung mitgebracht; damit wollten wir, dass ihnen dieser Tag als ein besonderes Ereignis in Erinnerung bleibt.

Die Feier fand in dem Regierungsgebäude statt. Bei der Feierlichkeit haben alle mögliche Personen langen Dankesreden an Sie als SpenderInnen und an mich gehalten, aus denen ich nur zwei kleine Ausschnitte in das Video eingebaut habe. Mir war es beim Schnitt des Videos wichtig, dass Sie diejenigen Mädchen kennenlernen, an deren Schicksaal Sie persönlich beteiligt sind.

Den Dank des Gouverneurs, der Direktorin der Schule und den Dank der Schülerinnen und ihrer Eltern überbringe ich Ihnen noch einmal auf diesem Wege. Sie können auf Ihr Werk stolz sein. Wir sind’s auch!

Weitere positive Berichte:

Trinkwasserprojekt

Dank Ihrer Spenden haben wir letztes Jahr ein Dorf namens Padagi mit seinen 250 Familien und unsere zweite Schule „Vier Türmchen“ mit Trinkwasser versorgt. Beide liegen am Ufer des Helmand-Flusses.

In der Vergangenheit mussten meistens Frauen und Kinder das Wasser aus dem Fluss holen. Bei Hochwasser im Frühjahr sind manche Kinder durch die Wassermassen mitgerissen wurden. Im Sommer gab es kaum Wasser in diesem Fluss.

Nun wird das Wasser auf einem Hügel in einem großen Tank gespeichert. Die DorfbewohnerInnen und die SchülerInnen bekommen das Wasser aus Wasserleitungen.

Kleinstkredite:

Dieses Jahr haben wir an 29 Familien Kleinkredite vergeben. 20 davon sind arme Bauernfamilien aus dem Dorf Padagi, in dem wir auch das Trinkwasserprojekt und unsere zweite Schule aufgebaut haben.

Wir versuchen, den Bauernfamilien dazu zu verhelfen, nicht wieder in den Iran emigrieren zu müssen, sondern ihre Kinder in unsere Schule zu schicken. Abgesehen davon ist die Vergabe von Kleinstkrediten an Frauen und Familien unserer Erfahrung nach die effiziente Methode, Menschen nachhaltig zu helfen.

Bei meinen Besuchen bei den Familien, die in der Vergangenheit ein Kredit von uns bekommen haben, kann ich die Verbesserung ihrer Lebenssituation im wahrstem Sinne des Wortes mit den Händen greifen. Ihre Höfe sind mittlerweile bevölkert von Hühnern, Schafen, Ziegen und manchmal auch Kühen. Leider lassen sich Nimrozer Frauen ungern fotografieren. Daher sind auf unserer Website nur die Tiere abgebildet.

Das Waisenhaus:

Auch dieses Jahr bekamen die Kinder traditionsgemäß neue Kleidung, Schuhe und Schulmaterialien. Einen Tag lang haben wir, wie jedes Jahr, in geschmückten Räumen bei gutem Essen und Spielen zusammen verbracht. Die Konfettis hat ihren Zauber auch nach elf Jahren immer noch nicht verloren.

Einer der ältesten Jungen besucht nun die zehnte Klasse des Gymnasiums. Die Verantwortlichen des Waisenhauses sind bemüht zu verhindern, dass er von seinem Verwandten, bevor er das Abitur erreicht hat, als billige Arbeitskraft abgeholt wird. Laut seinen Lehrer ist er ein sehr begabter Schüler.

Schule in „Vier Türmchen“:

Derzeit besuchen 128 SchülerInnen diese Schule, erfreulicherweise und ganz anders als in den meisten Schulen Afghanistans sind es sogar mehr Mädchen als Jungen! Nämlich genau 68 Mädchen und 60 Jungen. Die Klasse 5 ist derzeit die höchste Klassenstufe, sie wird von 30 SchülerInnen besucht. Davon sind leider nur 10 Mädchen; den Grund dafür werde ich bei meiner nächsten Reise recherchieren.

Die SchülerInnen bekamen auch dieses Jahr eine Menge Schul- und Schreibmaterialien von uns geschenkt. Zu unserer Freude haben sich in dieser Schule zwei Fußballgruppen gebildet. Sie wünschten sich Sportkleidung und Fußballschuhe.

Liebe SpenderInnen, ich hätte mir gewünscht, Sie wären dabei gewesen, um zu sehen, wie sich das Lächeln auf den sonst so zurückhaltenden und schüchternen Gesichtern dieser Kinder abzeichnete, als ich ihrem Wunsch nach Sportkleidung spontan entsprochen habe.

Dieses Jahr bin ich zweimal nach Nimroz gefahren. Das erste Mal im März, um unsere Projekte zu betreuen, und das zweite Mal im Juni, um für unsere Schülerinnen die Abiturfeier zu organisieren. Im Juni herrschte 47 Grad Hitze in Nimroz. Unsere Projekte bei diesen Temperaturen zu betreuen, ist nicht möglich, deshalb meine Märzreise.

Wir wünschen Ihnen einen wunderschönen Herbst und Winter und viel Freude in Ihrem Leben.

Das Video und die Fotos können Sie sich auf unsere Webseite anschauen.

www.afghanistan-nimroz.de Link: Videos

Ihre Mariam Notten und Dr. Ute Scheub