Ethnische Gruppen in Afghanistan

Paschtunen

Die Afghanen im engeren Sinne, die Paschtunen also, sind mit über 50 % der Bevölkerung die größte Volksgruppe Afghanistans. Über die Herkunft der Paschtunen streiten sich die Gelehrten noch heute, ihre Sprache aber, das Paschtu, gehört zu den nordostiranischen Dialekten. Die Paschtunen leben hauptsächlich in den südöstlichen Provinzen Afghanistans, entlang der pakistanischen Grenze. Doch auch im Norden des Landes gibt es ausgedehnte paschtunische Enklaven.

Tadschiken

Mit schätzungsweise 20 % der Bevölkerung sind die Tadschiken die zweitgrößte Volksgruppe Afghanistans. Sie sind vorwiegend Sunniten, sprechen aber Persisch und benutzen daher als Selbstbezeichnung das Wort "farsiwan", was so viel wie Persisch Sprechender bedeutet. Mit Ausnahme des Südostens trifft man auf Tadschiken in ganz Afghanistan, namentlich in großen Städten. Sie haben keine Stammesorganisation. In ihren Dörfern leben sie von Ackerbau und Viehzucht, in den Städten von Handwerk, Handel oder Arbeit in der Verwaltung.

Kleinere Volksgruppen

Auch die etwa eine Million zählenden Hazara sprechen Persisch. Sie sind vermutlich mongolischer Herkunft, leben hauptsächlich in Zentralafghanistan und gehören als einzige Volksgruppe zur 12. Schia, der herrschenden religiösen Richtung des Nachbarlandes Iran.

Auch die Zahl der Usbeken wird auf eine Million geschätzt. Sie sind Bauern oder arbeiten als geschickte Handwerker in den Städten Nordafghanistans.

Wie die Usbeken sind auch die etwa 500 000 Turkmenen in Nordwestafghanistan Sunniten. Doch im Gegensatz zu Ersteren haben sie ihre alte Stammesstruktur bewahrt. Sie sprechen ein Türkisch, das dem Osmanischen nahe steht.

Diesen fünf wichtigen Volksgruppen folgen die Belutschen, Brahui, Tschar-imaq, Kirgisen, Qizilbasch und Nuristani sowie einige kleine andere Gruppen.

Die Nuristani haben stets die Aufmerksamkeit der Europäer auf sich gezogen. Man hielt sie wegen ihrer blonden Haare und hellen Augenfarbe für Nachkommen der Griechen, die mit Alexander dem Großen in dieses Bergland gekommen waren. In den unwegsamen Tälern im Osten des Landes ansässig, wurden sie erst im vergangenen Jahrhundert islamisiert. Ihre Heimat, die bis zu diesem Zeitpunkt Kafaristan, "Heidenland", genannt wurde, heißt seitdem Nuristan, "Land des Lichtes".


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