Historische Entwicklung Afghanistans

Der Name Afghanistan für das Bergland am Hindukusch ist relativ neu und wurde erst im 18. Jahrhundert eingeführt. In der Antike hieß das Land "Ariana", im islamischen Mittelalter "Chorasan". Bedingt durch seine geographische Lage als letztes Bollwerk vor den Toren Indiens hat Afghanistan eine bewegte Geschichte durchlebt. Viele Eroberer haben hier ihre Spuren hinterlassen: Griechen, Araber, Inder, Mongolen, Perser und Briten.

Um 1500 v. Chr. begannen arische Nomadenstämme mit der Besiedlung des afghanischen Berglandes und gaben ihrer neuen Heimat den Namen "Ariana", das Land der Arier.

Vom 6. Jahrhundert v. Chr. bis zum Einzug Alexanders des Großen (330-327 v. Chr.) war Afghanistan ein Teil des achämenidischen Perserreiches. Die Nachfolger Alexanders errichteten um 250 v. Chr. das unabhängige graeco-baktrische Königreich, das 120 Jahre später von den Skythen überrannt wurde. Die Skythen ihrerseits wurden von den Eroberern aus dem Nordosten, den Yüe-tschi, verdrängt. Dieses Steppenvolk war es, das mit Hilfe der vorgefundenen griechischen Verwaltung das mächtige Kushanenreich errichtete. Das Zusammenwirken von Griechentum und Buddhismus unter den Kushanen bescherte dem Land eine Zeit der kulturellen Blüte.

Zur Zeit der ersten muslimischen Vorstöße nach Afghanistan im 7. Jahrhundert (652-664) unserer Zeitrechnung war dort der Buddhismus die vorherrschende Religion. Ein Teil der Bevölkerung hing weiterhin dem Glauben Zarathustras (um 800 oder 700 v. Chr.) an, aber auch der Hinduismus hatte seine Gefolgschaft, aufgeteilt in Brahma- und Shivakulte.

Der Islam wurde bereits zu Beginn des 8. Jahrhunderts vorherrschend. Unter Mahmud von Ghasni (um 998-1030) wurde Afghanistan zu einem wichtigen Zentrum des Islam. Von der afghanischen Stadt Ghasni aus eroberte Mahmud die westlichen Provinzen Indiens, die er dem neuen Glauben unterwarf.

Im 13. Jahrhundert teilte Afghanistan das Schicksal anderer Länder des islamischen Ostens. Die Horden Tschingis Chans (1221 bis 1222) überfluteten das Land, zerstörten die Städte und töteten oder verschleppten die Einwohner. In der Folgezeit (bis 1530) stand Afghanistan unter der Herrschaft verschiedener mongolischer Reiche.

Seit Beginn des 16. Jahrhunderts regierten dann die persischen Safawiden den Westen des Landes, während der Osten zwischen Persien und dem Mogulreich umkämpft blieb.

Die Staatswerdung Afghanistans begann im 18. Jahrhundert. Seit 1747 beherrschte Ahmed Schah Durrani (um 1747-1773) als Führer der vereinigten afghanischen Stämme das Land. Er kämpfte siegreich gegen Perser, Inder und Usbeken, einte das Reich und gründete die Dynastie der Durrani, welche bis 1973 an der Macht blieb. Doch nach dem Tod seines Sohns Timur Schah (Regierungszeit 1773-1793) verfiel der Staat wieder und wurde erst im 19. Jahrhundert durch die aus der Sippe der Barakzai stammenden Herrscher stabilisiert.

Im 19. Jahrhundert wurde Afghanistan zum Pufferstaat zwischen den beiden damaligen Weltmächten: dem Britischen Empire und dem zaristischen Russland. Der Empfang einer zaristischen Gesandtschaft durch den Königin Kabul war für die Briten der Anlass, 1839 in Afghanistan einzumarschieren, Kabul zu erobern und einen ihnen gewogenen König auf den Thron heben zu lassen. Es verging jedoch kein Jahr, bis ein Volksaufstand gegen die Besatzer losbrach. Der britische Gesandte samt seinem königlichen Schützling wurde ermordet. Von den 27 000 Briten und Indern kehrte ein einziger Mann, Dr. Brydon, nach Indien zurück. Bei ihrem zweiten Angriff auf Afghanistan(1878-1880) waren die Briten besser ausgerüstet. Rasch eroberten sie Kabul und diktierten den Afghanen ihre Bedingungen. Afghanistan sank zu einem britischen Protektorat herab. 1893 wurde das Land sogar durch die so genannte Durandlinie geteilt und das südliche Gebiet der indischen Kronkolonie einverleibt. Siegreich waren die Afghanen in dem dritten und letzten anglo-afghanischenKrieg (1919). Im Vertrag von Rawalpindi erhielt Afghanistan seine nationale Souveränität zurück. Mohammed Zahir Schah (1933-1973) war der letzte afghanische König.

1973 entmachtete Mohammed Daud Khan (1973) seinen königlichen Vetter, rief die Republik aus und ernannte sich selbst zum Präsidenten mit diktatorischen Vollmachten. Er änderte die Verfassung, verfolgte politische Gegner und nationalisierte Teile der Wirtschaft. Fünf Jahre später (1979) fielen er selbst und seine ganze Familie einem Putsch der an Moskau orientierten kommunistischen Demokratischen Volkspartei Afghanistans unter Führung Nur Mohammad Tarakis zum Opfer. Die Kommunisten versuchten, die Stammesgesellschaft Afghanistans binnen kurzer Zeit mit Gewalt in einen modernen zentralistischen Staat sozialistischer Prägung umzuwandeln. Ein umfangreiches Wirtschafts- und Bildungsprogramm sowie eine Landreform sollten in Angriff genommen werden. Als die neuen Machthaber auch antireligiöse Tendenzen erkennen ließen, hatte sich genug Konfliktstoff angesammelt – die afghanische Tragödie war vorprogrammiert. Der regionale Widerstand der Stämme und Dörfer wuchs bald zu einer mächtigen bewaffneten Rebellion, so dass es nur eine Frage von drei bis vier Monaten war, bis die Volkswut das verhasste Regime wegfegen würde. So eilten die Sowjets in den Weihnachtstagen des Jahres 1979 ihren Freunden zu Hilfe. Der Bürgerkrieg wurde zum Freiheitskampf gegen die Besatzungsmacht. Anfang 1989 zogen sich die Sowjets aus Afghanistan zurück, doch bis heute ist das Land nicht zu geordneten Verhältnissen zurückgekehrt.


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